Der
Ameisen-Sackkäfer
Clytra laeviscula (Ratzeburg, 1837)
und mehr...
von Armin Konrad
am 8. Juli 2004 beobachtet
auf einer Kartoffelpflanze im Ökogarten der PH Heidelberg

Durch Anklicken vergrößern - Foto von A. Konrad
Systematik:
Ordnung:
Coleoptera (Käfer)
Familie: Chrysomelidae (Blattkäfer)
Unterfamilie Clytrinae
Gattung: Clytra (Sackkäfer)
Verbreitung:
In
weiten Teilen Europas, Westsibirien
Merkmale:
7-11mm großer schwarzer länglicher Blattkäfer mit glänzend schwarzem
Halsschild, der am Hinterrand nicht aufgebogen ist. Der Halsschild ist kaum
sichtbar punktiert. Die roten Flügeldecken tragen 2 charakteristische Punktpaare.
Die hinteren Punkte sind verbreitert und verbinden sich fast zu einem
schwarzen Band (es treten auch Varietäten auf,
bei denen der hintere Fleck geteilt ist, oder auch fehlen kann).
Ähnliche Arten:
Clytra
quadripunctata (L. 1758) Hintere
Elytrenflecken kleiner, Elytren mehr gelblich
Clytra appendicina (Lacordaire, 1848)
Cryptocephalus bipunctatus, (L., 1758)
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| Clytra laeviscula | Clytra quadripunctata | Cryptocephalus bipunctatus | Cryptocephalus
bipunctatus (Farbvariante) |
| Flügeldecken kräftig rot hinteres Fleckenpaar i.d.R. breit | Flügeldecken
gelblich hintere Flecken i.d.R. relativ klein
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Die
Fallkäfer (Cryptocephalus bipunctatus) kommen in Farbvarianten, vor
die den Sackkäfern auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen. Sie sind
etwas kleiner, rundlicher und besitzen vor allem relativ lange
fadenförmige Fühler. |
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Abbildungen verändert nach Lech Borowiec (Universität Wroclaw).
Hervorragende detailgenaue Abbildungen unter: |
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Biologie:
Die adulten Sackkäfer finden sich von Mai bis August an Waldrändern und
Gebüschen wo sie auf Weiden, Eichen,
Birken und Weißdorn. Sie ernähren sich hauptsächlich von Weidenblättern und anderen Sträuchern fressen, oft in der Nähe von Ameisen-Nestern der
Gattung Formica.
Die rotschwarze Färbung der Sackkäfer warnt Fressfeinde vor ihrer
Ungenießbarkeit (Warntracht). Viele Chrysomeliden enthalten
toxische Inhaltsstoffe, die sie aus den Fraßpflanzen gewinnen (z.B. Salicin
(Salicylalkohol-b-D-glucosid)
aus Weiden. Manche produzieren auch eigene Gifte (Herzglycoside), in
Wehrdrüsen, die in Gruben auf dem Halsschild oder den Elytren münden.
Besonders interessant ist die Fortpflanzung der Sackkäfer:
| Bei
der Eiablage klebt das Weibchen mit dem Sekret einer besonderen
Hinterleibsdrüse Kotballen an das Ei. Dabei wird das Ei mit den
Hinterfüßen festgehalten. Es entsteht so ein ca. 2 mm großes
tannenzapfenähnliches Gebilde, welches vom Weibchen auf oder in der
Nähe von Nestern der Roten Waldameise (Formica rufa)
fallen lässt.
Abb.
rechts: Eihülle
von Clytra quadripunctata, Die Eier mit ihrer Kotzapfenhülle (Skatoconche) werden von den Ameisen ins Nest getragen.
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Die
Larven schlüpfen an der Basis des 'Kotzapfens' glätten ihn,
ergänzen ihn mit eigenen Exkrementen, Erde und Speichel und formen
ihn zu einem Kotsack um, den sie während der gesamten
Entwicklungszeit bewohnen. Die Sackkäferlarven ernähren sich von
Resten toter Tiere, gelegentlich auch von Ameiseneiern. Ohne den
Kotsack würden sie sofort von den Ameisen angegriffen. Die Entwicklungszeit der Larven dauert 2 bis 4 Jahre. Die Larven überwintern im Kotsack der mit Sandkörnern verschlossen wird. Während der Larvenzeit wird der Kotsack mit neuem Kot und Speichel ergänzt, er wächst also mit der Larve und erreicht so eine Länge von ca. 14 mm. Charakteristisch sind die rippenartigen Strukturen an der Außenseite. An diesen können ihn die Ameisen "anfassen". Ziehen die Ameisen in ein neues Nest um, dann nehmen sie die Clytra-Larven in ihren Kotsäcken anscheinend genau so mit, wie die eigene Brut. Zur Verpuppung suchen die Larven die Nähe des Nestausgangs auf. Sie erfolgt ebenfalls im Kotsack. Die adulten Käfer schlüpfen im Frühjahr.
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| Hinweis: Auch die Chrysomeliden der Gattung Cryptocephalus (Fallkäfer) bilden Kothüllen um ihre Eier. | ||
Nicht alle lassen sich von der
Kotsacktarnung der Sackkäferlarven täuschen. Smicromyrme halensis
eine kleine parasitoide Mutillide (Familie: Mutillidae =Spinnenameisen,
Wespenameisen, engl. velvet ants) legt ihre Eier in Clytra-Larven. Ihre
Larven entwickeln sich also endoparasitoid im Innern der Clytra-Larven (Jacobs,
1998 [5]).
| Hinweis zur Begrifflichen Abgrenzung: Parasitoide töten ihre Wirte im Gegensatz zu reinen Parasiten, allerdings geschieht dies im Unterschied zu Räubern langsam. |
Links:
Chrysomelidae: Clytra
quadripunctata, Ameisen-Blattkäfer von
http://www.faunistik.net/DETINVERT/COLEOPTERA/CHRYSOMELIDAE/CLYTRA/clytra.quadripunctata.html
Ameisen-Sackkäfer · Clytra
laeviuscula Paarung
http://nafoku.de/kaefer/chrysomelidae/10061614.htm
Insekten: Blattkaefer (Chrysomelidae, Clytra quadripunctata) -
Fallbüschel
http://www.arthropods.de/insecta/coleoptera/chrysomelidae/clytraQuadripunctata01.htm
Clytra laeviscula
http://www.biol.uni.wroc.pl/cassidae/European%20Chrysomelidae/clytra%20laeviuscula.htm
Insektenbox - Ameisensackkäfer
http://www.insektenbox.de/kaefer/ameisa.htm
Zweipunktiger Fallkäfer (Cryptocephalus
bipunctatus)
http://www.koleopterologie.de/gallery/fhl09b/cryptocephalus-bipunctatus-foto-koehler.html
Clytra laeviscula, gute Aufnahme von Josel Hlasek http://www.hlasek.com/clytra_laeviuscula_2066.html
Clytra laeviscula, gute Bilder
http://mapage.noos.fr/goupile/clytra%20laeviuscula.htm
Bellmann, H.
"Der neue
Kosmos-Insektenführer"
Franckh-Kosmos Verlags GmbH, Stuttgart 1999
Erber, D (1968)
"Bau, Funktion und Bildung der Kotpresse mitteleuropäischer Clytrinen
und Cryptocephalinen (Coleoptera, Chrysomelidae)"
Zeitschrift für Morphologie der Tiere 62: 245 - 306.
Harde, Karl Wilhelm
"Der Kosmos Käferführer - Die mitteleuropäischen Käfer"
Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart 1981
Jacobs, W. und Renner, M.
"Taschenlexikon zur Biologie der Insekten"
Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 1974
Jacobs, W. und Renner, M.
"Biologie und Ökologie der Insekten: Ein Taschenlexikon"
begründet von Jacobs, W. und Renner, M.
überarbeitet von Klaus Honomichl
Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, Jena, Lübeck, Ulm,
3. Auflage 1998
Zahradnik, J.
"Der Kosmos
Insektenführer"
Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart 1976
Info- und Arbeitsblatter für den Unterricht:
in Vorbereitung
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