Zur Küstenmorphologie der Ostsee
von Christa Schlabing
[Anmerkung (A.Konrad): Die Abbildungen der Anlagen fehlen]
Inhalt:
I. Vorbemerkungen
II. Zur Entstehung der
Ostsee
III. Auswirkungen der Inlandvereisung auf Skandinavien und Norddeutschland
IV. Küstentypen im Exkursionsraum
Definitionen / Erklärungen
VI. Anlagen
Im Ostseebereich findet man eine Vielzahl unterschiedlicher Küstentypen, deren Aussehen und Auftreten größtenteils erst verständlich werden, wenn man sich mit eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Prozessen v.a. in Nordeuropa beschäftigt.
Dieser Beitrag, der sich v.a. an "Nichtgeographen" richtet, befasst sich mit der Geschichte der Ostsee und den Auswirkungen der Eiszeit, soweit sie zum Verständnis der Küstenformen nötig sind, und gibt einen knappen Überblick über die im möglichen Exkursionsbereich auftretenden Küstentypen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Plant man eine Studienfahrt mit Schülern eines Leistungskurses Erdkunde, so sollte die exemplarische Behandlung einiger Küstenabschnitte folgen.
II. Zur Entstehung der Ostsee
Die Ostsee ist ein flaches und - geologisch gesehen - junges Nebenmeer des Nordatlantik. Die Entstehung ihrer gegenwärtiger Form begann erst etwa vor 17000 Jahren, als sich am Ende der letzten Vereisungsperiode beim Abschmelzen des Nordischen Inlandeises die Baltische Senke mit Schmelzwasser füllte (Eisrandstauseen im Bereich der heutigen zentralen Ostsee).
Finnland, Schweden und Südnorwegen liegen auf dem Baltischen Schild, einer geologisch sehr alten Landmasse, deren Oberfläche von ca. 2000 m Höhe im Norwegischen Hochgebirge auf das Niveau des Meeresspiegels bei der Insel Bornholm und weiter bis auf 12 km unter NN unter den Südteil Rügens sinkt.
Der baltische Schild, in seinen ältesten Teilen auf der Halbinsel Kola ca. 3.6 Milliarden Jahre alt, wurde letztmalig vor 1,6 Milliarden Jahren gefaltet. Er ist ein tief abgetragenes Kristallingebiet mit vorherrschenden Graniten, Gneisen und anderen harten kristallinen Gesteinen und zeigte seit dem Präkambrium v.a. Hebungstendenzen; er ist nur randlich von jüngeren Sedimenten bedeckt (z.B. Kreide à Kreidekliffs einiger Inseln der südlichen Ostsee; vgl. Anlage 1).
Im Süden begrenzt die TORNQUISTsche Linie, Teil einer markanten Bruchzone zwischen Schonen und Dobrudscha (nördl. der Donaumündung) den Baltischen Schild.
Einen Überblick über die Geschichte der Ostsee seit etwa 12000 Jahren, die durch einen Wechsel von Eisrandstauseen, Süßwasserseen und Meereseinbrüchen geprägt ist, zeigt die beigefügte Übersicht (Anlage 2).
Ursachen für die wechselhafte Geschichte der Ostsee:
Einige Folgen der genannten nacheiszeitlichen Vorgänge
(- Hebung Skandinaviens und der nördlichen Ostsee, v.a. in der nördlichen
Hälfte des Bottnischen Meerbusens, - Senkung im südlichen Bereich, - globaler
eustatischen Meeresspiegelanstieg, gegenwärtig bei jährlich 1,3 (2,0) mm ):
ganze Schärengürtel wurden schon zu Festland / ehemalige Häfen liegen im Binnenland / Seen Finnlands, die früher Abflüsse nach NW hatten, haben sich vergrößert bzw. Überläufe nach S und SE gebildet; andere Seen an der Küste des Bottnischen Meerbusens sind trockengefallen / jährlicher Landgewinn Finnlands: ca. 10 km² / in 2000 Jahren werden sich Schweden und Finnland z. T. bis auf Flussbreite genähert haben (vgl. Anlage 4).
III. Auswirkungen der Inlandvereisung auf Skandinavien und Norddeutschland
Die skandinavische Halbinsel
(der Baltische Schild mit seinen vorherrschenden Graniten und Gneisen) war v.a. glaziales Abtragungsgebiet (Erosionsgebiet); hier schürfte das Eis die Landoberfläche ab und es entstand eine typische sog. Rundhöckerlandschaft mit Felsbuckeln, die Schürfspuren des Eises zeigen (vgl. beigefügtes Arbeitsblatt für Schüler der Jahrgangsstufe 6 "Spuren der Eiszeit").Der südliche Küstenbereich der Ostsee und die Südspitze Schwedens hingegen liegen v.a. im glazialen Ablagerungsgebiet. Hier finden sich zwar auch Becken, die durch Gletscherzungen ausgeschürft wurden, v.a. aber blieb abgeschürftes und über weite Strecken durch das Eis transportiertes Material unterschiedlichster Größe v.a. als sog. Grund- und Endmoräne mit Findlingen liegen oder wurde durch Gletscherflüsse aus Schmelzwasser je nach Gewicht noch weiter transportiert und dann als Schotterfläche oder Sander sedimentiert (à glaziale Serie; vgl.Anlage 5 und 6).
IV. Küstentypen im Exkursionsraum
Einen guten Überblick hierzu bietet die Karte "Küstenformen" im Diercke Weltatlas, S.27 (vgl. auch Anlage 7).
Entsprechend der im vorigen Kapitel genannten Wirkungen der Eiszeit, in der Nordeuropa v.a. glaziales Abtragungsgebiet war, herrschen im Ostsee-Küstenbereich der skandinavischen Halbinsel v.a. buchtenreiche Felsenküsten (Schärenküsten, Fjord-Schärenküsten, z.T. Kliffküsten an der schwedischen Ostseeküste) vor.
Der südliche Ostsee-Küstenbereich und die Südspitze Schwedens liegen hingegen v.a. im glazialen Ablagerungsgebiet ; hier trifft man vorwiegend auf Lockergesteinsküsten (Moränenkliffküsten, Fördenküsten, Boddenküsten), die in den Abschnitten, in denen bestimmte Windrichtungen und Wasserströmungen dominieren, die Tendenz zur Bildung von Ausgleichsküsten (auch Nehrungs- und Haffküsten) zeigen. Unter diesen Bedingungen werden vorspringende Küstenabschnitte durch Wind und Wasser untergraben und abgehobelt (à Steilküste / Kliff). Ihr zerkleinertes Material wird strömungsparallel weitertransportiert und dort abgelagert, wo im Windschatten der Vorsprünge die Transportkraft des Wassers nachlässt (à Hakenbildung und auf Dauer verkürzter "ausgeglichener" Küstenverlauf). An Lockergesteinsküsten ist diese Wirkung naturgemäß stärker und schneller als an Felsenküsten.
Definitionen / Erklärungen:
(nach Westermann Lexikon der Geographie und Klett: Geovokabeln, Heft 2:
Geomorphologie; vgl. auch beigefügte Informationsblatt aus Schulbüchern; Geographie
heute 144/1996, S. 9 "Küstenformen" und 80/1990, S.18; Praxis Geographie
5/1990, S. 20f; Klett: TERRA Arbeitsblätter Orientierung 5/6, K 49)
Fjord: z.T. tief ins Land hineinreichende, schmale, steilwandige Meeresbucht; glazial (eiszeitlich) überformtes Trogtal, das nach der Eiszeit vom Meer überflutet wurde.
Förde: Meeresbucht mit länglicher Erstreckung; eine glaziale Schmelzwasserrinne oder ein schmales ehemaliges Gletscherzungenbecken, überflutet bei der nacheiszeitlichen Meerestransgression (Ostseeküste Schleswig-Holsteins).
Boddenküste: durch Überflutung einer Grundmoränenlandschaft entstanden und von unregelmäßig geformten, flachen Meeresbuchten geprägt (Ostseeküste Mecklenburgs)
Schärenküste: Rundhöckerlandschaft, die durch den Anstieg des Meeresspiegels nach dem Abschmelzen des Inlandeises im Küstenbereich lag; die Rundhöcker ragen als zahlreiche Felsinseln über die Wasseroberfläche auf.
Fjord-Schären-Küste: Mischform zwischen der Fjord- und der Schärenküste, zumeist mit kurzen Fjorden.
Kliff: Wand einer Steilküste, die durch Abrasion (Abtragung) entstanden ist; kann an Felsen- und an Lockergesteinsküsten entstehen, wenn die Brandung in Wellenhöhe einen Hang unterhöhlt; ein aktives Kliff wird ständig landeinwärts zurückverlegt (v.a. bei Stürmen)
Ausgleichsküste: Küstenform, die entsteht bei Abrasion von Landvorsprüngen und die Abschließung von Meeresbuchten zu Haffs und Strandseen durch Landzungen aus Kies und Sand, wenn eine Wind- bzw. Strömungsrichtung vorherrscht (Schleswig-Holstein, pommersche Ostseeküste).
Haff- und Nehrungsküste: Ausgleichsküste, bei der größere einmündende Flüsse einen Zugang von den Buchten (Haffs) durch die Landzungen (Nehrungen) zum Meer offenhalten (Ostpreußen).
V. Literatur
:
VI. Anlagen
Anlage1: Sammlung Geologischer Führer, Bd. 88, S. 13
Anlage 2: Unterricht Biologie 7/1993, S:5
Anlage 3: Anlage 4: Sammlung Geologischer Führer, Bd. 88, S. 44 Geographische Rundschau 11/92, S. 624
Anlage 5: Geographie heute 144/1996, S. 9: Glaziale Seirie
Anlage 6: aus verschiedenen Schulbüchern zusammengestellt (Seydlitz Geographie 2, Diercke Erdkunde 6, Barth/ Brucker: Merkbilder im Geographieunterricht))
Anlage 7: Nerwig / Theede, S. 71