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Gehölze im Schulzentrum Wiesloch - Ein
kleiner Führer -
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Einleitung
"Pflanzenkunde
ist langweilig, Tiere sind viel interessanter": Eine häufig aufgestellte Behauptung.
Sie ist verständlich, wenn man daran denkt, dass Tiere vieles mit uns Menschen
Gemeinsames zeigen. Nur - wann können wir eigentlich Tiere beobachten?
Meistens
sind es doch nur flüchtige Begegnungen, wenn wir Tiere treffen. Pflanzen laufen
nicht davon, wir können sie in aller Ruhe, auch wiederholt, betrachten. Was vielen
Menschen fehlt, ist ein Blick für das, was Pflanzen uns erzählen können, wenn
man
ein wenig ihre "Zeichensprache" deuten kann. Dieser kleine Führer
will versuchen,
einige solcher Zeichen darzustellen. Wer sie kennt, wird sie sicher an vielen anderen
Pflanzen wieder entdecken.
Da die Gehölze nach gärtnerischen Gesichtspunkten verteilt sind, sind (gedankliche) Sprünge in unserem Rundgang nicht zu vermeiden. Die Rück- und Querverweise sollen helfen, Beobachtungen an getrennt stehenden Pflanzen miteinander zu verknüpfen.
Übersicht Gehölzliste:
Stechpalme (Ilex aquifolium L.), Fam. Stechhülsengewächse (Aquifoliaceae)
Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana L. 'contorta'), Fam. Birkengewächse (Betulaceae)
Berberitzen (Berberis sp.), Fam Berberitzengewächse (Berberidaceae)
Robinie (= Falsche Akazie) (Robinia pseudacacia), Fam. Schmetterlingsblütler (Fabaceae)
Hahnensporn-Weißdorn
(Crataegus crus-galli), Fam.
Rosengewächse (Rosaceae)
Immergrüne Eiche (Quercus x turneri 'Pseudoturneri'), Fam. Buchengewächse (Fagaceae)
Tatarischer Steppenahorn (Acer tataricum L.), Fam. Ahorngewächse (Aceraceae)
Silber-Ahorn (Acer saccharinum L., 'Wieri' (var. laciniatum (CARR.) PAX)), Fam. Ahorngewächse (Aceraceae)
Feld-Ahorn (Acer campestre L.), Fam. Ahorngewächse (Aceraceae)
Gewöhnlicher Flieder (Syringa vulgaris L.), Fam. Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata L.), Fam. Pimpernussgewächse (Staphyleaceae)
1. Die Stechpalme [Abb.
Kurt Stüber, MPI für Züchtungsforschung]
Ilex aquifolium L., Fam.
Stechhülsengewächse (Aquifoliaceae)
Wir
beginnen unseren Rundgang im Schulhof. Neben der Treppe, die zum "kleinen Schulhof"
führt, steht ein immergrüner, kleiner Baum: eine Stechpalme. Schon im
Altertum
schrieben die Menschen diesem Baum der bis 500 Jahre alt werden kann, magische
Kräfte zu. Die glänzend grünen Blätter, die in lebhaftem Kontrast zu den
leuchtend
roten Beeren stehen, werden gerne für Gestecke verwendet. Die Blätter und vor allem
die Früchte sind giftig. (20 Beeren können für ein Kind tödlich sein.) Aus den
Blättern
der verwandten Art I. paraguariensis wird der Mate-Tee gewonnen. Die recht
unscheinbaren,
weißen Blüten öffnen sich im Mai. Sie enthalten entweder nur Staubblätter
oder nur fruchtbildende Stempel. Die Geschlechter sind also auf verschiedene Pflanzen
verteilt, die Stechpalme ist "zweihäusig". Ilex-Pflanzen findet man
man überwiegend
im westlichen und südlichen Europa. Ihre östliche Verbreitungsgrenze fällt
weitgehend mit der 0˚C-Januar-Isotherme zusammen.
Vergleichen
wir die Blätter von verschiedenen Bereichen des Baumes, dann fallen uns deutliche
Unterschiede auf. Obwohl alle Blätter zum gleichen Organismus gehören und in
allen Zellen der Pflanze das gleiche Erbgut liegt, sehen sie verschieden aus.
Wir sehen, dass das Erbgut, die Gesamtheit der Gene, nicht alles bis ins Letzte genau
vorschreibt.
Es lässt einen Freiraum, der im einzelnen Individuum durch Umwelteinflüsse gestaltet
werden kann. Bei der Stechpalme werden bevorzugt Blätter junger Bäumchen
und solche an den unteren Ästen stark bestachelt ausgebildet. So schützt sich
die Pflanze
gegen Fressfeinde. Unterschiedliche Ausprägungen bei gleichem Erbgut werden als
Modifikationen bezeichnet. Sie sind nicht erblich, der "Freiraum"
soll ja auch bei den
Nachkommen erhalten bleiben.
Wir wenden uns zur gegenüberliegenden Treppenecke.
2. Die Korkenzieher-Hasel [Abb.Kim
E. Hummer and Joseph D. Postman]
Corylus avellana L. 'contorta', Fam.
Birkengewächse (Betulaceae)
Direkt
unter der Ecke des Vordaches, streckt eine Korkenzieherhasel ihre bizarr geformten
Äste aus. Am Grunde sehen wir aber auch einige gerade Triebe. Sie stammen aus
der "Unterlage", einem Wildling, auf den ein Korkenzieherreis
aufgepfropft wurde.
Viele
Zier- und Nutzpflanzen werden so vermehrt, an der Stammbasis kann man die Veredelungsstelle
oft als Verdickung erkennen. Im Gegensatz zur nicht erblichen Modifikation
liefert uns die Korkenzeiher-Hasel ein Beispiel für eine Veränderung des Erbgutes,
eine Mutation. Für das Verständnis des Vererbungsgeschehens ist die
Tatsache
interessant, dass vergleichbare Mutanten auch von anderen Pflanzen bekannt sind.
In
unserem Bereich können wir die Korkenzieher-Robinie betrachten, in Gärten
findet man
häufig die schnellwüchsige Korkenzieher-Weide. Hier gilt es zwei Effekte zu
verstehen:
einmal das parallele Auftreten der gleichen Mutation und die genetische Steuerung
des Wachstums. Für eine bestimmte Änderung des Wachstums müssen meist mehrere
genetische Informationen gleichzeitig abgewandelt werden. Man kann dazu die
Existenz von "Schaltgenen" annehmen, die mehrere
"Untergene" gemeinsam aktivieren
oder abschalten. So kann die Änderung an einem Gen ein charakteristisches
Sortiment
von Umstellungen nach sich ziehen. Das parallele Auftreten zeigt, dass verschiedene
Arten einen großen Teil ihres genetischen Materials gemeinsam haben. Dies gilt
besonders für Erbanlagen, die allgemein benötigte Nachrichten, wie z.B. für
Wachstumsprozesse
liefern.
Da
bei der geschlechtlichen Fortpflanzung die Erbanlagen der Eltern gemischt
werden,
können in den Nachkommen bestimmte (vom Menschen erwünschte) Eigenschaften
nicht mehr auftreten. Vermehrt man die Mutante aber vegetativ, also z.B. über
Stecklinge
oder durch Aufpfropfen, so bleibt die erbliche Veränderung in allen
Pflanzen
erhalten.
Im
kleinen Schulhof wenden wir uns kurz den Heckenrosen zu: Ihre Stacheln lassen
sich
leicht vom Spross abdrücken, ohne dass eine tiefere Verletzung entsteht. Über die
Treppe
in der südwestlichen Ecke gelangen wir zum Verbindungstrakt zwischen B-und
A-Bau. Schon auf dem Weg müssen wir uns vor den Bewehrungen der Büsche in Acht
nehmen. Darunter sind mehrere Arten der Gattung Berberis, die in unseren heimischen
Flora durch die Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris) vertreten ist.
4. Berberitzen [Abb.,
Kurt Stüber, MPI für Züchtungsforschung]
Berberis sp., Fam
Berberitzengewächse (Berberidaceae)
Versuchen
wir, ähnlich wie wir es bei den Rosen taten, die spitzen "Waffen"
der Berberitzen
abzudrücken, so gelingt dies nicht ohne sichtbare Verletzung der Pflanze. Oftmals
lösen sich Streifen der Rinde mit ab. Damit haben wir den Unterschied zwischen Stacheln
und Dornen erkannt: Während Stacheln nur Auswüchse der Haut sind, sind
Dornen
fest mit dem Pflanzenkörper verwachsen. Wie kann man sich die Entstehung von
Dornen vorstellen? Während die Stacheln der Rosen unregelmäßig über die ganze
Rindenfläche
verteilt sind, stehen die Dornen der Berberitzen immer dort, wo kleine
beblätterte
Seitentriebe abzweigen. Seitentriebe entspringen aber stets nur in den
Achseln
von Blättern. Jeder (Hobby-)Gärtner kennt die "schlafenden" Augen
oberhalb der Blattnarben.
Diese Lagebeziehung zwischen Blättern und Seitentrieben ist für alle Blütenpflanzen
gemeinsam. Sie ist ein Beleg für ihre gemeinsame Abstammung und muss als Teil eines einheitlichen
"Strickmusters" für den Aufbau der
Blütenpflanzen betrachtet
werden. In Anlehnung an die Anleitungen eines Architekten spricht der Biologe
von einem Bauplan.
Ein biologischer Bauplan lässt aber im Gegensatz zu dem des
Architekten vielerlei Abwandlungen zu, er stellt nur eine Art Grundidee dar.
Der "Bauplan"
eines Autos würde ein Gehäuse auf 4 Rädern an Achsen mit einem Motor vorsehen,
Einzelheiten können bei jedem Modell anders ausfallen. So wie die Räder des
Autos immer an Achsen stehen, stehen die Seitentriebe der Pflanze immer in Blattachseln.
Die Berberitzendornen sind also umgewandelte
Blätter. An der Gemeinen
Berberitze kann man alle Übergangsformen zwischen flächig entwickelten Blättern
und reinen Dornen finden. Eigentlich wird dabei nur ein Merkmal quantitativ verändert,
die flächige Ausdehnung. Solche graduellen Veränderungen sind genetisch leichter
zu steuern als die Ausbildung eines Organes an sich. Erbliche Veränderungen, die
nur das Ausmaß eines Merkmales beeinflussen sind viel eher überlebensfähig als
Veränderungen
an den grundlegenden Organeigenschaften.
In
der kleinen Wiese vor dem Verbindungstrakt zwischen A- und B-Bau erkennen wir
unser
nächstes Objekt leicht an den hellgrünen Fiederblättern.
5. Die Robinie (Falsche Akazie)
[Abb.,
Sengbusch, Botanik online]
Robinia pseudacacia, Fam.
Schmetterlingsblütler (Fabaceae)
Die
Robinie begegnet uns in unserer Heimat so häufig, dass wir sie für ein
einheimisches
Gewächs halten. In Wirklichkeit ist sie im östlichen Nordamerika beheimatet.
Ihren
Namen erhielt sie nach dem königlichen Gärtner Jean Robin (1550-1629), der 1600
die erste Robinie auf dem Place Dauphine am Bois de Boulogne in Paris pflanzte.
In Deutschland wurde die erste Pflanze 1720 in Britz bei Berlin gesetzt. Wegen
ihrer geringen Bodenansprüche wurde die Robinie schnell eine beliebte Baumart, z.B.
zur Befestigung von Sandflächen. Von 1796 - 1803 wurde in Heidelberg eine Zeitschrift
"Unechter Akazienbaum" herausgegeben, die für den Anbau warb. Die
Robinie verbreitete
sich schnell, sie wurde zum "Neophyten". Unter dieser Bezeichnung
werden
all
die Pflanzen zusammengefasst, die seit etwa dem Jahre 1500 in unsere heimatliche
Pflanzenwelt
eingeführt wurden. Ihre Anspruchslosigkeit verdankt die Robinie fleißigen
Bakterien, die sich als "Untermieter" in ihren Wurzeln einnisten.
Sie können Luftstickstoff
zur Herstellung von Eiweißen nutzen, eine Fähigkeit, die höheren Pflanzen fehlt.
Sie müssen Stickstoffverbindungen (z.B. Nitrate) aus dem Boden aufnehmen. Die stickstoffbindenden
Bakterien arbeiten als "Düngemittelfabrik". Da sie das
Wirtsgewebe
zu knötchenartigen Wucherungen anregen, werden sie als "Knöllchenbakterien"
bezeichnet.
Zunächst muss man sie als Krankheitserreger betrachten, da sie Wirtsgewebe
schädigen. Außerdem leben sie als Parasiten, sie lassen sich von der Wirtspflanze
mit energiereichen Verbindungen (Traubenzucker) versorgen. Der Wirt aber schlägt
zurück und verdaut in den befallenen Zellen einen Teil der Bakterien. So versorgt
er sich umgekehrt mit Eiweißstoffen. Insgesamt profitieren beide Organismen vom
Zusammenleben: ein Beispiel für Symbiose. Die
Gründüngung, die in der biologisch-dynamischen
Landwirtschaft eine Renaissance erlebt, nutzt ebenfalls die Aktivität
der Knöllchenbakterien in den Wurzeln anderer Schmetterlingsblütler wie
Luzerne,
Lupine oder Esparsette. Die Techniker unserer Düngemittelfabriken blicken neidvoll
auf die Bakterien: Sie vollziehen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt
und bei normalem atmosphärischen Druck eine Reaktion, die ihnen nur bei ca. 500
˚C und einem Überdruck von 450 bar gelingt. Ihr Trick sind die besseren Katalysatoren,
die daher auch Objekt intensiver Forschungen sind.
Die
Stickstoffbindung über Knöllchenbakterien bewirkt aber in nährstoffarmen
Biotopen
einen unerwünschten Nährstoffeintrag. Daher treten unter Robinien typische Stickstoffzeiger
wie Holunder oder Schöllkraut auf. Sie verdrängen Arten, die an den
stickstoffarmen
Boden angepasst sind, wie z.B. viele Orchideen.
Gerade
im Kraichgau sind die Robinien den Naturschützern (im wahrsten Sinne des Wortes)
ein Dorn im Auge: Robinienwurzeln zeigen ein starkes sekundäres
Dickenwachstum.
Dadurch wird das empfindliche Gefüge des Löß gestört, sodass z.B. an Hohlwegwänden
ganze Partien des Löß abgesprengt werden. Robinien treiben, besonders
nach Fällen eines Baumes sehr starke Wurzelbrut. Durch Anpflanzen anderer
Baumarten
(z.B. Eichen) können die die sehr lichtbedürftigen Robinienjungpflanzen beschattet
und dadurch unterdrückt werden. Ansonsten ist nur wiederholte mechanische
Entfernung der Wurzeln möglich.
Durch
den Gehalt an dem Giftstoff Robinin ist das Holz sehr witterungsbeständig
(daher
wurde es früher für Weinbergpfähle verwendet), das Laub verrottet sehr schlecht
und schädigt die Bodenfauna.
Ihren
Namen "Falsche Akazie" verdankt die Robinie ihrer Bewehrung, die
(ähnlich wie
bei der Stechpalme) besonders an Jungpflanzen stark ausgeprägt ist. Die Dornen der
Berberitzen trugen Seitenzweige in ihren Achseln. Die Waffen der Robinie stehen jedoch
immer paarweise an den Blattansätzen. Wer Erbsenpflanzen kennt, weiß. dass ihre
Blätter immer zu zweien stehen, dazwischen schlängelt sich die Ranke heraus.
Was
hat nun die Robinie mit der Erbse zu tun? Vergleichen wir: In beiden Fällen
steht ein
einzelnes ("unpaariges") Organ zwischen einem paarigen Gebilde:
Wieder ein "Bauplan".
Gerade für die Familie der Schmetterlingsblütler sind gut entwickelte "Nebenblätter"
an der Blattbasis typisch. Die Dornen der Robinie sind also umgebildete
Nebenblätter
und entsprechen damit den "Blättern" der Erbse.
Ein neues
biologisches Phänomen:
Funktionell gleichartige Strukturen entstehen auf verschiedene Weise, aus unterschiedlichen
Bauplanelementen. In der Biologie spricht man von "konvergenten
Entwicklungen".
Die Flügel einer Biene sind Hautauswüchse, die eines Vogels umgewandelte
Vordergliedmaßen: Funktionelle Ähnlichkeit muss keine Verwandtschaft bedeuten.
Direkt
am A-Bau wächst ein schon fast waffenscheinpflichtiger Strauch mit bis zu 6
cm langen Dornen:
6.
Der Hahnensporn-Weißdorn
Crataegus crus-galli, Fam.
Rosengewächse (Rosaceae)
Er
zeigt uns eine dritte Antwort auf die Frage "Wie macht man
Dornen?". Gerade umgekehrt
wie bei den Berberitzen sind die Dornen verholzte, kurze Seitentriebe in den
Achseln normal entwickelter Blätter: "Sproßdornen".
Am
A-Bau entlang, vorbei an der dekorativen Schwarzkiefer (Pinus nigra var.
austriaca)
gelangen wir hinter den Fahrradschuppen zu einer Reihe kleiner Bäume. Darin ist
eine Eichen-Art an ihren Früchten gut zu erkennen.
7. Die Immergrüne Eiche
Quercus x turneri 'Pseudoturneri', Fam. Buchengewächse (Fagaceae)
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Aus
dem Mittelmeerraum kennen wir die kleinblättrigen, immergrünen Eichenarten, die
aber in unserem rauhen Klima nicht gedeihen. Vor uns steht das Ergebnis einer Kreuzung,
die 1780 in einer englischen Baumschule gelang. In ihr sind Eigenschaften zweier
Arten vereint: Die Lappung der Blätter verdankt sie der Stieleiche, die jedoch
nicht
wintergrün ist. Der ganzjährige Blattbesatz stammt vom anderen Elternteil, der
Stein-Eiche
mit kleinen, ganzrandigen Blättern. Die Stieleiche ist in ganz Europa ver- breitet, die Steineiche findet man rings um das Mittelmeer.
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![]()
[Bildquelle: http://helardot.multimania.com/page_chenes/hybrides.htm ] |
Viele
Zier- und Nutzpflanzen sind aus derartigen Kombinationszüchtungen
hervorgegangen.
Der Mensch hat also schon seit langer Zeit vorhandene Erbanlagen neu gemischt.
Die modernen Methoden der Gentechnik muss man als konsequente Fortsetzung
dieser alten Verfahren betrachten.
In
unmittelbarer Nachbarschaft wurde eine Art angepflanzt, deren verwandtschaftliche
Zugehörigkeit nicht so unmittelbar erkennbar ist.
8. Der Tatarische Steppenahorn
[Abb.,
hort.net]
Acer tataricum L., Fam.
Ahorngewächse (Aceraceae)
Nur
wenige Blätter lassen die für die meisten Ahornarten typische handförmige Lappung
erkennen. Innerhalb der Gattung Acer hat der Blattbauplan Abwandlungen erfahren,
die von den fast ungeteilten Blättern der Steppenahorne bis zu fein zerschlitzten
Blattspreiten reicht. Wenden wir uns gegen Westen fällt unser Blick auf einen
frei stehenden
Baum mit weit ausladender Krone.
9. Der Silber-Ahorn
Acer saccharinum L. 'Wieri' (var.
laciniatum (CARR.) PAX),
Fam. Ahorngewächse (Aceraceae)
Seine
Blätter stellen das andere Extrem des Bauplanes "handförmiges
Blatt" dar. [Abb.]
"Typische"
Ahornblätter zeigt
1
[Abb.
Linnaeus Server, Swedish Museum of Natural History Stockholm]
Acer campestre L., Fam.
Ahorngewächse (Aceraceae)
aus
unserer einheimischen Flora. Ein Exemplar wird uns am westlichen Ende der Wiese
begegnen. Ein Hinweis für eigene Beobachtungen: Im Stadtbereich, z.B. am Bolzplatz,
kann man den Eschen-Ahorn (Acer negundo L.) [Abb.]
finden. Seine Blattspreite hat
eine Streckung erfahren und ist bis zur Mittelrippe eingeschnitten, sodass ein
fiedriges
Blatt entstand.
Wie
bei den Blättern wurde auch der Bauplan der Früchte, der bekannten "Nasen"
vielfältig
abgewandelt, insbesondere hinsichtlich des Winkels zwischen den beiden Teilfrüchten,
der absoluten und der relativen Größe. Letzteres ist typisch für den
Silber-Ahorn:
meist ist nur eine Teilfrucht voll entwickelt.
Ahorn-Arten
besiedeln die gesamte gemäßigte Zone der Nordhalbkugel von China über
Kaukasus, Kleinasien und Europa bis nach Nordamerika. Der nordamerikanische
Zucker-Ahorn (Acer saccharum MARSH) liefert den als Brotaufstrich beliebten Ahornsirup.
Entlang
der Gerbersruhstraße entwickelten sich einige stolze Exemplare eines
Ziergehölzes,
das wohl jeder kennt.
11. Der Gewöhnliche Flieder [
Abb.,
gartendatenbank.de ]
Syringa vulgaris L., Fam.
Ölbaumgewächse (Oleaceae)
Neben
verschiedenen Blütenfarben konnten die Züchter auch Formen mit gefüllten
Blüten,
also vermehrten Blütenblättern erzeugen. Mit einer Lupe kann man am Beispiel
der gefüllten Fliederblüten gut erkennen, wie diese Veränderung entstand.
Innerhalb
der äußeren Blütenkrone, die der ungefüllten Stammform entspricht, stehen unterschiedlich
geformte, gefärbte Blättchen. An ihrer Spitze aber sind Reste von Staubbeuteln
zu erkennen: Der Züchter nutzte Mutationen, bei denen aus Staubblättern Blütenblätter
wurden. Zur Erklärung können wir wieder die Theorie der Schaltgene und
der "schlafenden" Gene heranziehen:
Staubblätter waren ursprünglich
flächig ausgedehnte
Blätter, an deren Spitze sich die männlichen Fortpflanzungsorgane entwickelten.
Die flächige Ausdehnung wurde durch eine Mutation "ausgeschaltet", die
Fähigkeit
dazu blieb aber im Erbgut erhalten. Durch eine neue erbliche Veränderung wurde sie
wieder "geweckt".
Blüten der Seerose zeigen alle Übergänge vom
Blüten- zum Staubblatt,
einige Tulpensorten besitzen grüne Blütenblätter, die den Übergang zu normalen
Laubblättern demonstrieren.
Gefüllte Blüten können verständlicherweise besonders
leicht bei Arten entstehen, die viele Staubblätter besitzen. Ein Blick in eine Heckenrose
zeigt, woher die vielen Blütenblätter der Edelrosen stammen!
Am
Ende der Wiese vor dem B-Bau wollen wir einen letzten Aspekt auf unserem Rundgang
betrachten.
12. Die Gemeine Pimpernuss
[Abb.
Botanischer Garten Bochum]
Staphylea pinnata L., Fam.
Pimpernußgewächse (Staphyleaceae)
Diese
Art war vor einigen Millionen Jahren in Mitteleuropa heimisch, wie man aus Fossilfunden
weiß. Heute tritt sie wild in Südeuropa und im Kaukasusgebiet auf. Man hat
sie von dort wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückgeholt, wo sie auch sehr
gut
gedeiht. Warum verschwand sie aus Mitteleuropa? Wie eine große Zahl weiterer Pflanzen
war auch die Pimpernuss dem eiszeitlichen Klima nicht gewachsen. Sie wichen
vor den heranrückenden Gletscher in wärmere Rückzugsgebiete aus. Nach der Klimaverbesserung
versperrten ihnen aber die großen Gebirgszüge (Alpen, Pyrenäen)
den
Rückweg in die alten Verbreitungsgebiete. Arten, die über die Landbrücke von Asien
nach Nordamerika eingewandert waren, wurde durch den wieder ansteigenden Meeresspiegel
die Rückkehr unmöglich gemacht. So kommt es, dass die Nachfahren von
Gattungen, die vor den Eiszeiten (also im Tertiär) über Europa, Asien und Amerika
durchgehend verbreitet waren, heute versprengt auftreten. So auch die Vertreter der
Gattung Staphylea: St. colchica und St. pinnata im Kaukasusgebiet,
St. trifolia
in Nordamerika
und St. bumalda in Ost-Eurasien.
Im
Schulgebiet wurden St. pinnata und St. trifolia angepflanzt. Auffällig sind die
blasig
aufgetriebenen Früchte.
Die
Verdrängung vieler Gehölze durch die Eiszeit erklärt, weshalb so viele
Zierpflanzen
aus Asien oder Nordamerika eingeführt wurden: Sie sind eigentlich bei uns nicht
fremd,
sondern wurden in ihre alte Heimat zurückgeholt. Ökologisch bedenklich kann eine
solche Wiedereinführung dort werden, wo die "Spätheimkehrer"
einheimische Arten
verdrängen.
Weiteres
Beispiel: Der Amberbaum (Liquidambar styraciflua Abb.
)
(Karte: WALTER S. 89, Thuja S. 87, Catalpa S.83)
Und
hier noch ein Link zur Geobotanik,
wo Verweise auf Webseite zu diesem Thema zusammengestellt sind: http://www.geofinder.de/geowissenschaften/vegetationsgeographie.htm