D. Hildbrand
Eine ähnliche Vorgehensweise mit Hilfe eines Textes wurde auch bei dem relativ komplizierten Thema Blutgerinnung in der folgenden Stunde gewählt. Bei dem Thema Blutgruppen stand dagegen das fragend-entwickelnde Verfahren mit Hilfe von Folien der Experimente Landsteiners im Vordergrund, denn jetzt hatten sich die Schüler schon an den Gebrauch der englischen Sprache gewöhnt. Allerdings muß gesagt werden, daß man sehr sorgfältig Schritt für Schritt vorgehen muß, damit der Unterrichtserfolg gewährleistet ist. Modelle zur Veranschaulichung der Antigen-Antikörper Reaktionen leisteten hier gute Dienste.
Die nächste Stunde erforderte eine längere Vorbereitungsphase zur Einführung der vielen englischen Begriffe über den Aufbau des Herzens, die Struktur des Blutkreislaufs und seine Funktion. Danach brauchten die Schüler allerdings unwesentlich mehr Zeit, die englischen Begriffe mit den biologischen Sachverhalten in Einklang zu bringen als bei Verwendung der deutschen Sprache.
In den nächsten beiden Stunden sollte wieder eine andere Unterrichtsmethodik, sprich die Filmbeobachtung angewandt werden. Das große Problem in diesem Bereich war allerdings, daß keine englischsprachigen Filme über die Herzaktion und den Aufbau der Blutgefäße in Anpassung an ihre Funktion zur Verfügung standen. Folglich mußte der Lehrer den Ton ausschalten und einen englischsprachigen Filmkommentar liefern. Die Erfassung der verschiedenen Phasen der Herzaktion und der Struktur der Blutgefäße bereitete den Schülern keine größeren Schwierigkeiten, allerdings war der Zeitaufwand größer . Als Folge davon mußten Inhalte wie Erkrankungen des Herzens (Herzinfarkt) und ihre Ursache sowie gängige Methoden zur Überprüfung der Funktion des Herzens (EKG) in einer zusätzlichen Stunde behandelt werden.
Summa summarum ist ein solcher bilingualer Unterrichtsversuch sicherlich eine exzellente Möglichkeit, das sogenannte 'Schubladendenken' vieler Schüler aufzubrechen und zu einem wirklich fächerübergreifenden Unterricht zu kommen. Erstens werden die Schüler für ein Fach neu motiviert und zweitens lernen sie, daß die Vermittlung von Sachverhalten nicht an eine bestimmte Sprache gebunden ist.
Allerdings hat die Verwendung der englischen Sprache zur Folge, daß der Lehrer zumindest in den ersten Unterrichtstunden die Schüler über das übliche Maß hinaus durch den Stoff führen muß, selbst wenn er einen sehr gut vorbereiteten, reichlich illustrierten und vielseitigen Unterricht hält .Dieses Manko könnte aber durch einen entsprechenden englischsprachigen Konversationskurs oder Vorbereitungskurs wie an manchen bayrischen Gymnasien im Vorfeld des bilingualen Unterichts ausgeglichen werden. Schließlich ist eine etwas größere Anzahl von Unterrichtsstunden zur Vermittlung der gleichen Sachverhalte notwendig, wenn die Verwendung der englischen Sprache nicht zu Lasten der Unterrichtsinhalte gehen soll.
gez. Dieter Hildbrand
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