Versuch 5: Tumorinduzierung  bei Pflanzen

 

 

Übersicht


Einführung

Für die Land- und Forstwirtschaft sowie für den Gartenbau sind pflanzliche Tumore mit Schädigung von Pflanzen schon seit vielen Jahrzehnten ein ernst zu nehmendes Problem. Dabei handelt es sich meist um einen Bakterienbefall, der nach winzigen Verletzungen an den Pflanzen auftreten kann. Die Verletzungen kommen durch Frostschäden oder mechanische Verletzungen bei der Bodenbearbeitung zustande.

Erst um 1900 erkannte man, dass bestimmte Tumore immer in Verbindung mit einer bakteriellen Infektion einhergehen. Die in die Pflanze eingedrungenen Bakterien wurden Agrobakterium tumefaciens genannt (von lateinisch ager  Boden, tumor  Anschwellung und facere machen).

Das Agrobakterium ist stäbchenförmig und ca. 1-3 mm lang. Es lebt aerob in der Wurzelzone und greift nur zweikeimblättrige Pflanzen an.

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Wirkung auf Pflanzen

Agrobakterium tumefaciens kann nur über Wunden in die Pflanzen eindringen, intakte Zellwände kann es nicht überwinden. Bei einer Infektion heftet sich das Bakterium nur an die defekte Zellwand und schleust sein Ti-Plasmid (Ti steht für Tumor induzierend), also ein Teil eines zusätzlichen DNA-Ringes, in das genetische Material des Zellkerns der infizierten Pflanzenzelle ein und veranlasst somit die Wucherungen. Das Ti-Plasmid enthält auch Gene, welche die Produktion der Argininderivate Octopin und Nopalin durch die Pflanze bewirken. Beide Stoffe dienen den Bakterien zu einem optimalen Wachstum, sie ermöglichen aber auch die Identifikation von Agrobakterium.

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Versuchsdurchführung

 

Materialien: Kalanchoe (Bryrophyllum) ca. 3-4 Monate alt, steriles Wasser, Impfnadel, Impföse, Ethanol, a(C2H5OH) = 70%, Bunsenbrenner, wasserfester Filzstift, Agrobakterium tumefaciens-Kultur auf Nähragar.

 

Versuch 1: Eine Pflanze als Nr.1 kennzeichnen. Die Impfnadel in Ethanol tauchen und im

Bunsenbrenner kurz abflammen, damit das Ethanol abbrennt. Stiel oder Blattoberfläche der

Pflanze 1 mit der Impfnadel ein- oder mehrmals einritzen. Impfnadel kurz abflammen.

Impföse abflammen und abkühlen, dann von der weißlichen Bakterienkultur auf dem

Nährboden eine kleine Menge Bakterien aufnehmen und über der Wunde ausstreichen.

Anschließend die Impföse erneut abflammen.

 

Versuch 2: Pflanze Nr.2 mit einem weichem Filzstift an einer kleinen Stelle am Stiel oder Blatt durch Umrandung markieren ohne dabei das Pflanzengewebe zu verletzen: Impföse abfiammen und abkühlen. Wieder eine kleine Menge von der weißlichen Bakterienkultur mit der Impföse aufnehmen und innerhalb der Markierung so ausstreichen, daß die Pflanze unbeschädigt bleibt. Impföse wieder abfiammen.

 

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Versuchsbeobachtungen

Während 4-6 Wochen die beiden Pflanzen mindestens dreimal in 4er Woche beobachten. An Pflanze 1 sollte sich ein Tumor bilden.

 

Versuch 3: Nach 6 Wochen wird das Tumorgewebe im Binokular untersucht; ebenso die nicht infizierte Vergleichspflanze.

 

Materialien: Tumorinfizirte Pflanze, Vergleichspflanze, Rasierklinge, Pinzette, Binokular, Ethanol, a(C2H50H) =70%, Bunsenbrenner, Petrischale.

 

Durchführung: Rasierklinge und Pinzette in Ethanol tauchen und kurz abfiammen. Vorsichtig ein kleines Stück tumorhaltiges Gewebe mit der Rasierklinge abschneiden und mit der Pinzette auf die Petrischale legen. Rasierklinge und Pinzette wieder im Bunsenbrenner abfiammen. Das Tumorgewebe unter dem Binokular ansehen. Von der Vergleichspflanze ebenfalls ein Gewebestück abschneiden und im Binokular anschauen.

 

Beobachtung: Bei der gesunden Pflanze sieht man einen glatten Stiel mit regelmäßiger Zellanordnung. Bei der tumorinfizierten Pflanze beobachtet man verdicktes, unregelmäßig wachsendes Gewebe.

 

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Besondere Hinweise:

1. Agrobakterium tumefaciens erhält man bei der DSMZ (Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, Mascheroder Weg 1 B, 38124 Braunschweig> unter der Nummer DSM-Nr. 30205. Wenn mit diesem natürlichem Wildstamm gearbeitet wird, sind die entsprechenden Versuche ungefährlich.

2. Nach dem Versuch muss die infizierte Pflanze und alles abgeschnittene Gewebe ordnungsgemäß entsorgt, d.h. im Autoklaven erhitzt werden. Die Bakterienkulturen können etwa sechs Wochen aufbewahrt werden. Spätestens dann müssen sie ebenfalls autoklaviert werden.

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Bewertung:

Mit Hilfe von Agrobakterium tumefaciens lässt sich auf einfachem Wege ein natürlicher Gentransfer von Bakterien auf Pflanzen zeigen. Der Versuch stellt somit ein Modell für einen gentechnischen Versuch dar, da die Gentechniker heute das Ti-Plasmid als Genfähre bei der pflanzlichen Genmanipulation nutzen.

 

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Literatur

[1] H. Bayrhuber und E.R. Lucius, Handbuch der praktischen Mikrobiologie und Biotechnik. Metzler Verlag, Hannover, 1992

[2] D. Heß, Pflanzenphysiologie. UTB Ulmer-Verlag, Stuttgart, 1988

[3] U. Nellen, EIBE Unit 1 Mikroorganismen und Moleküle, Kiel 1997

[4] H.G. Schlegel, Allgemeine Mikrobiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1981

 

Diese Versuchsanleitung wurde veröffentlicht in PdN Ch 4/47 unter ,,Zwei Versuche zur Gentechnik" von M. Müller.

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