von Dr. Rolf Lutz
Der Versuch reproduziert (in leichter Abwandlung) das klassische Experiment, aus dem Arber, Nathans und Smith 1968 die Existenz der heute wohlbekannten Restriktionsenzyme und der zugehörigen Methyltransferasen postuliert und später auch nachgewiesen haben.
| Ausgangspunkt
für das Experiment sind die E. coIi-Stämme DH5a
bzw. DH5apRM. Letzterer enthält zusätzlich auf einem
Plasmid (p) die Gene, die für ein Restriktionsenzym (R) sowie die dazugehörige
Methyltransferase (M) kodieren. Die Plasmidkarte von pRM ist in Abb. 1
dargestellt.
Beide Stämme werden mit Lambda-Phagen infiziert, die aus dem Stamm DH5a stammen, deren DNA also nicht methyliert ist. Um die Herkunft der Phagen deutlich zu machen, werden diese als l.a bezeichnet. Das Infektionsvermögen (,,Plattierungseffizienz") der Phagen auf den beiden Stämmen wird anhand der Anzahl der gebildeten Plaques auf den Bakterienrasen bestimmt und als ,,Plattierungseffizienz" (engl. ,,efficiency of plating", EOP) bezeichnet. Diese ist bei Stamm E. coli DH5apRM ca. 104 fach geringer als bei E. coIi DH5a. Hieraus kann man schließen, dass E. coli DH5apRM ein Schutzsystem besitzen muss, das den Stamm effizient vor einer Infektion durch l.a schützt.
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| Diejenigen Phagen, denen es gelingt das Schutzsystem von E. coli DH5apRM zu umgehen, können dann wiederum ihren Wirtstamm mit der gleichen Effizienz infizieren wie den Stamm E. coli DH5a, dem der Schutzmechanismus fehlt. Dies liegt daran, dass die DNA der aus E. coli K freigesetzten Phagen (l.apRM) durch das Enzym Methyltransferase an den Erkennungsstellen des Restriktionsenzyme methyliert wurde und somit von E. coli D}{5czpRM nicht mehr als fremd erkannt werden kann. Die eigentliche Funktion der Methyltransferase ist es, durch Methylierung der bakteriellen DNA diese vor dem Abbau durch die eigenen Restriktionsendonukleasen zu schützen. Infiziert und lysiert der Phage l.apRM erneut den Stamm E. coIi DH5a (der kein Restriktions- und Methylierungssystem besitzt), wird die neu synthetisierte Phagen-DNA nicht methyliert und kann von E. coli DH5apRM wiederum als fremd erkannt werden. Damit schließt sich der in Abb. 2 dargestellte Zyklus. |
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Versuchs-Kit 01, (-> Bestellung)
Puffer-Lösungen (Rezepte)
Experiment 1
Das Experiment dient dem Nachweis, dass ein Bakterium mit RestriktionsModifikationssystem gegen das Eindringen von Lambda-Phagen, deren Genom aus nichtmethylierter DNA besteht, geschützt ist.
Vorarbeiten am Vortag :
1.1.1
Entnehmen Sie von den LB-Platten je eine Einzelkolonie der beiden E.
coli -Stämme und impfen Sie diese in 5 ml LB Medium (DH5apZE1
und DH5apRM
mit 100 mg/ml
Ampicillin) mit l0mM MgSO4 / O,2% Maltose an. Die Kulturen sollten
auf einem Roller oder Schüttler über Nacht bei 300C - 370C
aufgezogen werden.
Vorarbeiten
am Experimentiertag:
1.2.1
Aufkochen von LB-Agar (Vorsicht vor Siedeverzug!) und Gießen von 4 LB
Agarplatten ohne Antibiotika (pro Platte werden ca. 15-20 ml LB-Agar benötigt).
Beschriften Sie die Agarplatten auf dem Boden wie folgt:
1.:
DH5a
+ 103l.a
2.: DH5a
+ 105 l.a
3.:
DH5apRM
+ 103l.a
4.: DH5apRM
+ 105l.a
1.2.2
Aufkochen von LB-Top Agar und portionieren zu je 4 ml in die mitgelieferten
Reagenzröhrchen und temperieren auf 43°C in einem Wasserbad.
Experiment:
1.3.1 Je 1 ml der Über-Nacht-Kulturen von DH5a und DH5apRM werden in einer Tischzentrifuge sedimentiert (5.OOOUpm, 3min), der Überstand verworfen, und die Bakterienpellets in je 0,5 ml 10mM MgSO4-Lösung durch Schütteln vollständig (!) resuspendiert. Die Stämme können so bis zu 3 Tage bei 40C gelagert werden.
1.3.2 Verdünnen Sie in einem Eppendorfgefäß 10 ml des im Kit enthaltenen Lysats von l.a mit 330 ml einer l0mM MgSO4 Lösung. Daraus resultiert ein Titer von 106 pfu/ml. 10 mI dieses Lysats wiederum werden zu 990 mI 10 mM MgSO4-Lösung gegeben (resultierender Titer: 104 pfu/ml).
1.3.3 Geben Sie aus den beiden Verdünnungen je l00 ml Phagenlysat zu l00 ml der resuspendierten Bakterien. Die Anzahl der pfu pro LB-Agarplatte beträgt dann 105 bzw. 103.
1.3.4 Zur Adhäsion der Phagen an die Wirtszellen werden die Ansätze für 20 min bei 370C inkubiert.
1.3.5 Nach dieser Inkubationszeit werden die Ansätze mit je 4 ml vorgewärmtem LB-Top Agar durch mehrmaliges Auf- und Abpipettieren gemischt (wenn möglich, luftblasenfrei), sofort auf die entsprechenden LB-Agarplatten gegossen und durch leichtes Schwenken so verteilt, daß eine geschlossene Top-Agar-Schicht entsteht.
1.3.6 Nach Erstarren der Platten (Dauer ca. 1 min) werden diese mit dem Deckel nach unten bei 300 - 370C über Nacht (rnindestens jedoch für 8 Stunden) inkubiert.
1.3.7 Die sichtbar gewordenen Plaques werden ausgezählt.
Auswertung
zu Experiment 1:
Zählen
Sie (sofern möglich) die entstanden Plaques auf den Bakterienrasen aus. Auf der
Platte “DH5apRM + 105l.a”
sollten etwa 5-20 Plaques sichtbar werden. Die Platte ,, DH5apRM
+ 103l.a" sollte einen
Bakterienrasen ohne Plaques enthalten. Auf der Platte DH5a
+ 103l.a sollten ca. 1000
voneinander abgegrenzte Plaques sichtbar werden. Auf der Platte DH5a
+ 105 l.a sollten so viele
Plaques entstanden sein, dass kein Bakterienrasen mehr sichtbar sein sollte. Man
spricht hier von ,,konfluenter Lyse”.
Experiment 2: Vervollständigung des
Infektionszyklus::
Diejenigen
Phagen l.a, die nicht durch das Restriktionssystem des
Stammes DH5apRM
an der Infektion gehindert wurden und folglich Plaques auf einem Bakterienrasen
dieses Stammes gebildet haben, sollten nun ihrerseits über methylierte DNA verfügen
und somit die beiden Stämme DH5a
und
DH5apRM mit
der (annähernd) gleichen Effizienz infizieren können. Dies kann in einem
Folgeexperiment getestet werden. Hierzu müssen zunächst die betreffenden
Phagen isoliert und deren Titer bestimmt werden. Dies geschieht auf folgende
Weise:
2.2.1
Stanzen Sie mit dem rückwärtigen Ende einer Pasteurpipette oder einer
abgeschnittenen Spitze einer Mikroliterpipette einen Plaque auf der Platte mit
der Beschriftung DH5apRM
+ 105l.a aus und überführen Sie deren Inhalt in ein
Eppendorfgefäß.
2.2.2
Geben Sie 1ml SM-Puffer und 50 ml
Chloroform zu und schütteln Sie kurz. Das Chloroform dient dazu, die mitüberführten
Bakterien abzutöten. Die Phagen sind dagegen resistent gegenüber Chloroform.
Lassen Sie die Lösung für mindestens 15 min bei Raumtemperatur stehen, damit
sich die Phagen aus dem Agar lösen und sich das Chloroform absetzt. Die Phagen
können so für mehrere Jahre im Kühlschrank (<100C) gelagert
werden.
2.2.3
Beschriften Sie vier LB-Agarplatten folgendermaßen:
1.: DH5a + 10-3 l.apRM
2.: DH5a
+ 10-5
l.apRM
3.: DH5apRM + 10-3 l.apRM 4.: DH5apRM + 10-5 l.apRM
2.2.4
Verdünnen Sie die Phagen (aus 2.2.2) 1:103 und 1:105
in l0 mM MgSO4. Geben Sie hierzu 5ml aus dem Lysat lapRM zu 5 ml MgSO4-Lösung und
hieraus wiederum 10mI
zu 990ml MgSO4-Lösung.
2.2.5
Mischen Sie je l00ml aus den beiden Verdünnungen mit je l00 ml des Stammes DH5a und DH5apRM
(hierzu können die bereits in 10 mM MgSO4 resuspendierten Bakterien
verwendet werden, sofern diese nicht älter als 3 Tage sind).
2.2.6
Zur Adhäsion der Phagen an die Wirtszellen werden die Ansätze für 20
min bei 370C inkubiert.
2.2.7
Nach dieser Inkubationszeit werden die Ansätze mit je 4 ml vorgewärmtem
LB-Top Agar durch mehrmaliges Auf- und Abpipettieren gemischt (möglichst
luftblasenfrei), sofort auf die entsprechenden LB-Agarplatten gegossen und durch
leichtes Schwenken so verteilt, dass eine geschlossene Top-Agar-Schicht
entsteht.
2.2.8
Nach Erstarren der Platten (Dauer ca. 1 min) werden diese mit dem Deckel
nach unten bei 30-370C über Nacht (mindestens jedoch für 8 Stunden)
inkubiert.
2.2.9
Die sichtbar gewordenen Plaques werden ausgezählt.
Sollten
sich keine Plaques auf der betreffenden LB-Agarplatte gebildet haben, so können
Sie das Experiment alternativ mit dem mitgelieferten Phagenlysat von l.apRM
durchführen.
2.2.4
Geben Sie 50 ml aus dem Lysat l.apRM
(5x104 pfu/ml) zu 250 ml
einer l0mM MgSO4-Lösung (resultierender Titer: 104 pfu/ml).
2.2.5
Mischen Sie je 100 ml aus dem Lysat mit je 100 ml des Stammes DHSa und DH5apRM
(hierzu können die bereits am Vortag in l0mM MgSO4 resuspendierten
Bakterien verwendet werden, sofern diese nicht älter als 3 Tage sind).
2.2.6 Die weitere Vorgehensweise ist die gleiche wie unter 2.2.6 beschrieben.
Auswertung zu Experiment 2:
Auf
beiden LB-Agarplatten sollte in etwa die gleiche Anzahl an Plaques sichtbar
werden. Auf der
Platte DH5apRM + 103 l.apRM werden etwas weniger Plaques erscheinen,
da das Restriktionssystem
dem Stamm noch einen Restschutz verleiht.